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|225| Dumpfheit und Vernichtung eines Glaubens an ein durchaus Fremdes und Übermächtiges herabgewürdigt wird. Man sieht, die Untersuchung hierüber würde, wenn sie durch Begriffe gründlich geführt werden sollte, am Ende in eine metaphysische Betrachtung des Verhältnisses des Endlichen zum Unendlichen übergehen; dies ist aber nicht die Absicht dieser Abhandlung; sie legt die Notwendigkeit zum Grunde, daß in der menschlichen Natur selbst das Bedürfnis [liegt], ein höheres Wesen, als das menschliche Tun in unserem Bewußtsein ist, anzuerkennen, die Anschauung der Vollkommenheit desselben zum belebenden Geiste des Lebens zu machen, auch dieser Anschauung unmittelbar, ohne Verbindung mit sonstigen Zwecken, Zeit, Anstalten und Gefühle zu widmen. Dies allgemeine Bedürfnis einer Religion schließt noch viele einzelne Bedürfnisse in sich; inwieweit die Befriedigung derselben der Natur angehöre, inwieweit die Lösung der Widersprüche, in welche die Natur mit sich gerät, durch sie selbst aufgelöst werden könne, ob die christliche Religion die einzig mögliche Lösung derselben enthalte und ob diese Lösung durchaus außerhalb der Natur liege, ob der Mensch sie nur durch Passivität des Glaubens ergreifen könne, – diese Fragen, die Erforschung ihres wahren Sinns und ihre Entwicklung findet vielleicht sonstwo Platz. Wenn die durch die christliche Religion angegebene Lösung jener Aufgaben des menschlichen Herzens oder, wenn man will, der praktischen Vernunft nur obenhin, der äußeren Erscheinung nach, nämlich als bestimmtes Tun, bestimmte Lehre, von der Vernunft für Zufälligkeit erkannt wird, so ist im allgemeinen zu bemerken, daß nicht vergessen werden darf, daß das Zufällige nur eine Seite dessen ist, was für heilig gilt. Wenn eine Religion an ein Vergängliches ein Ewiges geknüpft hat und die Vernunft nur das Vergängliche fixiert und nun über Aberglauben schreit, so ist es ihre Schuld, oberflächlich zu Werke gegangen zu sein und das Ewige übersehen zu haben. In der folgenden Abhandlung werden nicht Lehren oder Gebote der christlichen Religion an diesen Maßstab allgemeiner Begriffe gehalten und nach ihnen abgeurteilt werden, ob sie in diesen Begriffen liegen oder ihnen widersprechen oder wenigstens etwas Überflüssiges und damit Unvernünftiges und Unnötiges wären; solche Zufälligkeiten, die dadurch, daß etwas Ewiges mit ihnen verknüpft ist, ihren Charakter der Zufälligkeit verlieren, haben deswegen notwendig zwei Seiten, und die Absonderung dieser zwei Seiten ist Trennung durch Vernunft; in der Religion selbst sind sie nicht getrennt, auf die Religion selbst oder besser: auf das Religiöse würden sich allgemeine Begriffe gar nicht anwenden lassen, weil es selbst kein Begriff ist. Von solchen nur von der Reflexion erst gemachten Zufälligkeiten
