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|116| mußte das Bild ihres unschuldig aufgeopferten Freundes und Lehrers seinen Freunden gegenwärtig sein? wie werden sie bei Ausbreitung der Lehre den Lehrer vergessen können? Ein dankbares Andenken an ihn, sein Lob wird ihnen so teuer, so angelegentlich sein als seine Lehre. Noch angelegentlicher aber mußte es ihnen werden durch [das] Außerordentliche, menschliche Natur und Kräfte Übersteigende in seiner Geschichte.
Wunder
Einen großen Teil des Zutrauens und der Aufmerksamkeit, die Jesus unter den eines selbsterrungenen und in sich selbst gegründeten Glaubens unfähigen Juden erhielt, war seinen Wundern zuzuschreiben, ungeachtet daß eine solche Kraft seinen gelehrteren Zeitgenossen, wie es scheint, nicht so sehr auffiel (z. B. Heilung der Dämonischen verrichteten auch Juden; ferner, als Jesus die verdorrte Hand in der Synagoge heilte, fiel ihnen nicht diese Heilung, sondern die Entweihung des Sabbats zunächst auf), wie es doch bei Leuten, die mit dem, was durch Natur möglich ist oder nicht, wohl bekannter sind als gemeine Leute, hätte geschehen sollen; ungeachtet dessen, was Gegner des Christentums gegen die Wirklichkeit und Philosophen gegen die Möglichkeit der Wunder vorgebracht haben, so wird soviel von allen zugestanden, und dies ist hier genug für uns, daß diese Taten Jesu Wunder für seine Schüler und Freunde waren. Nichts hat wohl so sehr als dieser Glaube an Wunder dazu beigetragen, die Religion Jesu positiv zu machen, sie gänzlich, selbst ihrer Tugendlehre nach auf Autorität zu gründen. Ungeachtet Jesus nicht wegen dieser seiner Wunder, sondern wegen seiner Lehre Glauben verlangte, ungeachtet ewige Wahrheiten ihrer Natur nach, wenn sie notwendig und allgemeingültig sein sollen, auf das Wesen der Vernunft allein, nicht auf für die Vernunft zufällige Erscheinungen der äußeren Sinnenwelt gegründet werden können,
