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|214| Antonius mit seinem zahlreichen Volke, dessen Stadt sich eine Horde Barbaren näherte, statt auf die Wälle zu ihrer Verteidigung zu eilen, in den Kirchen und auf den Straßen kniend um Abwendung ihres zu fürchtenden Unglücks die Gottheit anflehen. Und warum hätten sie auch wollen können, kämpfend zu sterben? Die Erhaltung der Stadt konnte jedem nur wichtig sein, um sein Eigentum und den Genuß desselben zu erhalten; hätte er sich der Gefahr ausgesetzt, kämpfend zu sterben, so hätte er etwas Lächerliches getan; denn das Mittel, der Tod, hätte den Zweck, Eigentum und Genuß, unmittelbar aufgehoben; das Gefühl, in Verteidigung des Eigentums nicht sowohl dies Eigentum selbst als das Recht an dasselbe sterbend zu behaupten (denn wer in Verteidigung eines Rechtes stirbt, der hat es behauptet), – dieses Gefühl war einem unterdrückten Volke fremd, dem es genügte, sein Eigentum nur aus Gnade zu haben.20) Mit dem Bedürfnis einer gegebenen, objektiven Religion steht die Möglichkeit des Wunderglaubens in genauem Zusammenhang. Eine Begebenheit, deren Bedingung nur ein einziges Mal Bedingung derselben gewesen sein soll, eine erzählte Wahrnehmung, die schlechterdings nicht zur Erfahrung erhoben werden kann, ist für den Verstand, der hier allein Richter ist, vor dessen Gerichtshof die Entscheidung gehört, schlechterdings undenkbar, er kann es nicht unterlassen, sich die Bedingungen jener Begebenheit als vollständig zu denken, wenn die Erzählung selbst auch schlechterdings auf keine solche Data hinweist und er sich also enthalten muß, bestimmte, gewisse Bedingungen sich zu denken; wird ihm wahrscheinlich gemacht, daß eine Bedingung, die er sich jetzt vorstellt, nicht eingetreten, so sucht er nach anderen, und wenn ihm die Unwahrscheinlichkeit aller, die der Scharfsinn ersinnen kann, gezeigt worden ist, so gibt er seine Forderung nicht auf, daß, wenn auch diese oder jene Bedingung nicht eingetreten sei, doch vollständige Bedingungen müssen vorhanden gewesen sein. Glaubt man jetzt sein fruchtloses Suchen dadurch zu befriedigen, daß man ihm zur Erklärung ein höheres Wesen als Ursache hinstellt, so verstummt, so schweigt er, denn von ihm hat man sich abgewandt, dem Verstand war dies nicht gesagt, – die Einbildungskraft hingegen ist damit leicht zufrieden, und man hat sich jetzt auf ihr Feld geworfen, der Verstand läßt es geschehen, er lächelt gleichsam dazu, hat aber kein Interesse, ihr ihr Spielzeug zu nehmen, denn ihm ist damit nichts mehr zugemutet, er läßt sich auch soweit herunter, ihr seinen allgemeinen Begriff von Ursache zu überlassen, zu
20) Im Manuskript gestrichen: Was es behaupten wollte, war sein Glaube.
