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|117| so nahm jetzt doch die Überzeugung von der Verbindlichkeit zur Tugend folgenden Weg: Wunder auf Treu und Glauben angenommen, begründeten einen Glauben, eine Autorität des Täters derselben, und diese Autorität desselben wurde das Prinzip der Verbindlichkeit zur Moralität, und die Christen hätten auf diesem Wege, wenn sie immer an das Ziel desselben gelangt wären, noch viel vor den Juden vorausgehabt; aber so blieben sie zuletzt auf dem halben Wege stehen; und wie die Juden Opfer, Zeremonien und einen Fronglauben, so machten sie Lippendienst, äußerliche Handlungen, innere Empfindungen, einen historischen Glauben zum Wesen der Religion.
Außerdem, daß dieser Umweg zur Moralität über Wunder und Autorität einer Person und dann noch [über] manche Stationen, an denen man sich aufzuhalten hat, den Fehler jedes Umwegs hat, daß er das Ziel entfernter macht, als es wirklich ist, und den Wanderer leicht veranlassen kann, in seinen Beugungen und zerstreuenden Stationen den Weg gar aus den Augen zu verlieren, so tut er der Würde der Moralität Abbruch, die selbständig jedes andere Fundament verschmäht, sich selbst genug nur auf sich gegründet sein will. Nicht die Tugendlehre Jesu war es jetzt mehr, die für sich selbst ein Gegenstand der Achtung sein sollte, wo sie dann auch Achtung für den Lehrer bewirkt hätte, sondern jene verlangte nur Achtung wegen des Lehrers und dieser wegen seiner Wunder. Wer auf diesem Umweg ein frommer und tugendhafter Mensch geworden ist, dessen Demut schreibt seiner eigenen Tugendkraft, der Achtung, die er dem Ideal der Heiligkeit zollt, weder den größten Anteil an seiner moralischen Gesinnung, noch sich überhaupt eigene Fähigkeit oder Empfänglichkeit für Tugend und den Charakter der Freiheit zu; aber der hat diesem Charakter, der Quelle der Moralität, gänzlich entsagt, wer sich jenem Gesetz nur aus Furcht vor der Strafe seines Herrn gezwungen unterwirft und also, wenn der theoretische Glaube an diese Gewalt, von der er abhängig ist, in ihm weggenommen ist,
