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|193| positiven Religion fähig sei, endlich aus eigener Vernunft für wahr gehalten zu werden, dies erwarten oder fordern kann nur ein anderer, der frei von diesem positiven Glauben ist, oder von einem Gläubigen kann die Zurückführung seiner positiven Lehren auf Vernunft nur etwa darum unternommen werden, um einem solchen Fremden Genüge zu leisten. Eher wäre, wenn darüber Nachfrage gehalten würde, das Gegenteil zu erwarten von einer von Gott geoffenbarten Religion, welche also göttliche Wahrheiten, d. h. von Gott gedachte enthält, daß die Gedanken Gottes von menschlicher Vernunft nicht gefaßt, nicht ermessen werden können. – Wie ist nun ein positiver Glaube an solche Wahrheiten gedenkbar möglich, wie können sie subjektiv werden; wie ist das menschliche Gemüt in diesem Zustand affiziert, wie tätig, wie leidend? Die Ausdrücke, ein Glaube sei eine lebhafte, zum Handeln treibende, von Gefühlen begleitete Überzeugung, sind zu unbestimmt, als daß uns dadurch viel gesagt würde.
Die christliche Religion enthält teils Gebote über Erkenntnisse von Gegenständen, mit ihren praktischen Momenten, teils Gebote über Handlungen.
Die Möglichkeit, dem anderen seine Erfahrungen und Gedanken mitzuteilen, setzt voraus, daß er schon ähnliche gehabt habe, die wir ihm jetzt in einem anderen Zusammenhange zeigen und ihm aufgeben, sie auf die Art zu verbinden, die wir ihm jetzt angeben; setzt die Fähigkeit voraus, diejenigen Tätigkeiten in sich hervorzubringen, die wir ihm bezeichnen; die Wahrheiten der christlichen Religion nun, die sich aufs Erkenntnisvermögen beziehen, beziehen sich nun teils auf die Einbildungskraft, teils auf den Verstand, teils auf die Vernunft.
Geschichtliche Wahrheiten, die mit unseren übrigen Erfahrungsgesetzen übereinstimmen, nimmt die Einbildungskraft, unter Zulassung des Verstandes, auf, wobei ihr nichts neu ist als der Zusammenhang, in welchen sie nun schon vorhin gehabte Vorstellungen zu bringen angewiesen ist; sie nimmt sie zugleich mit der Nebenvorstellung auf, daß es wirkliche Erfahrungen waren, daß Gefühle vorhanden waren, die den Verstand zu einer allen Menschen, denen diese Gefühle gegeben worden wären, notwendigen Tätigkeit veranlaßt hatten; dies ist es, was hier der Glaube bedeutet. – Nun kommen aber geschichtliche Wahrheiten vor, von denen ein etwas geübter Verstand sogleich einsieht, daß sie seinen Gesetzen widersprechen, und die er also geneigt ist zu verwerfen, wie alle Wunder und andere übernatürliche Begebenheiten; er ist damit nicht befriedigt, daß man auf übersinnliche Ursachen verweist, denn eine solche Antwort versteht er gar nicht, ihm ist damit gar nichts gesagt – wie kann jetzt der Pflicht, zu glauben,
