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|196| und Unwürdigkeit derselben heißt ein Unvermögen der Vernunft, ein Soll auszusprechen, ein Unterliegen derselben und also auch eine Ohnmacht gegen die äußeren Umstände. In beiden Fällen heischt die Vernunft nicht Glückseligkeit unmittelbar – dieser Begriff kommt ihr sowenig zu als dem Verstand die Empfindung -, sie gibt dem Bewußtsein nur ihr Soll (oder nicht), das von der Sinnlichkeit aufgefaßt wird; jene bestimmt gar nichts, was das Objekt dieses Soll sein soll, sie hat kein Objekt ihrer Herrschaft. Auch so amalgamiert mit Sinnlichkeit, fordert die Vernunft Realisierung ihres Objekts14), und da sie dies Gemische, indem sie durch die Beimischung von Natur geschwächt und verunreinigt ist, nicht realisieren kann, so fordert sie ein fremdes Wesen, dem die Herrschaft über die Natur beiwohne, die sie jetzt vermißt und die sie jetzt nicht mehr verschmähen kann.
14) Werkausgabe: Daß so unbedingt gefordert wird, ist Tätigkeit der Vernunft; daß Glückseligkeit gefordert wird, gibt die Sinnlichkeit.
In dieser Rücksicht heißt Glaube Mangel des Bewußtseins, daß die Vernunft absolut, in sich selbst vollendet ist, – daß ihre unendliche Idee nur von sich selbst, rein von fremder Beimischung geschaffen werden muß, – daß diese nur durch Entfernung eben dieses sich aufdringenden Fremden, nicht durch eine Anbildung desselben vollendet werden kann. Der auf diese Art bedingte Endzweck der Vernunft gibt den moralischen Glauben an das Dasein Gottes, der nicht praktisch sein kann insofern, als er den Willen [nicht] antreiben könnte, jenen Endzweck zu realisieren, sondern nur etwa den Teil des Endzwecks, der von ihm abhängt, wozu er durch die Betrachtung um so williger gemacht wird, daß die Sinnlichkeit dabei auch ihre Rechnung finden werde. Wer – wie z. B. ein Republikaner oder ein Krieger, der nicht gerade für ein Vaterland, aber doch für die Ehre kämpft – sich also einen Zweck seines Daseins gesetzt hat, in dem sich das zweite Stück, die Glückseligkeit nicht findet, der hat einen Zweck, dessen Realisierung ganz von ihm abhängt und also keiner fremden Beihilfe bedarf. Die positive Religion unterstützt jenen moralischen Glauben noch durch Bilder, durch Data für die Einbildungskraft, der sie jenes Objekt näherbringt, indem sie es so sehr zum Objekt macht, daß sie erzählt, es sei hier und da Menschen in der Erfahrung gegeben worden. Ein anderes berühmtes Bedürfnis der Vernunft, auf das sie sich schlechterdings keine befriedigende Antwort geben kann, ist die verlangte Beruhigung wegen der notwendigen Strafen, die auf Immoralität folgen müssen.
