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|227| nicht verleugnen und sich nicht zu toten Maschinen und zugleich zur Wut des Knechtssinns herunterbeugen konnten, das Bedürfnis einer freieren Tätigkeit und reineren Selbständigkeit, als mit mönchischer Geschäftigkeit eines geist- und wesenlosen Mechanismus kleinlicher Gebräuche ein Dasein ohne Selbstbewußtsein zu leben, das Bedürfnis eines edleren Genusses, als in diesem Sklavenhandwerk sich groß zu dünken und für dasselbe zu rasen, erwecken. Die Natur empörte sich gegen diesen Zustand und trieb die mannigfaltigsten Reaktionen hervor, wie [die] Entstehung vieler Räuberbanden, vieler Messiasse, das strenger und mönchischer gemachte Judentum der Pharisäer, die Verbindung von Freiheit und Politik mit demselben in dem Sadduzäismus, das brüderliche, von den Leidenschaften und Sorgen ihres Volks freie Eremitenleben der Essener, die Aufhellung des Judentums durch schönere Blüten der tieferen menschlichen Natur im Platonismus, endlich das Erheben und offene Predigen des Johannes an alles Volk – und zuletzt die Erscheinung des Jesus, der das Übel seines Volks an der Wurzel angriff, nämlich an seiner hochmütigen und feindseligen Aussonderung von allen Nationen, es also zum Gott aller Menschen, zu allgemeiner Menschenliebe, zur Entsagung des lieb- und geistlosen Mechanismus ihres Gottesdienstes führen wollte, dessen neue Lehre eben deswegen mehr noch zur Religion der Welt als seines Volkes wurde – ein Beweis, wie tief er die Bedürfnisse seines Zeitalters aufgegriffen hatte und wie die Juden in rettungslose Abwesenheit des Guten und Wut der Geistesknechtschaft versunken waren.
Wie die Bildung des Jesus gereift ist, über diese interessante Frage sind gar keine Nachrichten auf uns gekommen; in seinem männlichen Alter erst tritt er auf, frei von jüdischem Sinn, frei von der eingeschränkten Trägheit, die an die gemeinen Bedürfnisse und Bequemlichkeiten des Lebens ihre einzige Tätigkeit verwendet, wie von Ehrgeiz und anderen Leidenschaften, deren Befriedigungen ihn genötigt haben würden, in den Vertrag der Vorurteile und der Laster einzutreten. Seine ganze Manier hat das Ansehen, daß er zwar unter seinem Volke erzogen, aber fern von ihm – und wohl länger als vierzig Tage – von dem Enthusiasmus des Reformators beseelt wurde; zugleich aber trägt seine Art zu handeln und zu sprechen keine Spuren irgendeiner damals vorhandenen Bildung eines anderen Volkes oder Religion an sich. Er tritt auf einmal jugendlich mit aller freudigen Hoffnung und zweifellosen Zuversicht des Erfolgs auf; der Widerstand, der ihm von den eingewurzelten Vorurteilen seines Volkes kommt, scheint ihm unerwartet; den ertöteten Geist freier Religiosität, die hartnäckige Raserei des Knechtssinns seiner Nation schien er vergessen zu
