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|199| wird. Die lieblichen Spiele eines Hölty, Bürger, Musäus in diesem Fache gehen für unser Volk wohl ganz verloren, da es, um des Genusses derselben empfänglich zu sein, in seiner übrigen Kultur zu weit zurück ist, wie auch die Phantasie der gebildeteren Teile der Nation von der der gemeinen Stände ein völlig anderes Gebiet hat und Schriftsteller und Künstler, die für jene arbeiten, von diesen schlechterdings auch in Ansehung der Szene und der Personen ganz und gar nicht verstanden werden, – dahingegen der atheniensische Bürger, den seine Armut von der Fähigkeit, seine Stimme in der öffentlichen Volksversammlung zu geben, ausschloß oder der sich gar als Sklaven verkaufen mußte, so gut als ein Perikles und Alkibiades wußte, wer der Agamemnon und der Ödipus war, den ein Sophokles und Euripides in edlen Formen einer schönen und erhabenen Menschheit aufs Theater brachte oder ein Phidias und Apell in reinen Gestalten körperlicher Schönheit darstellte.
Die Wahrheit der Charaktere in der Darstellung durch Shakespeare hat außerdem, daß viele aus der Geschichte bekannt sind, dieselben dem englischen Volk so tief eingeprägt und für dasselbe einen eigenen Kreis von Phantasievorstellungen gebildet, daß das Volk bei Aufstellungen der akademischen Gemälde die Gegenstände desjenigen Teils, wo die größten Meister wetteifern, der Shakespearegalerie, wohl versteht und frei genießen kann.
Diejenige Sphäre von Phantasievorstellungen, die dem gebildeten wie dem ungebildeten Teile unserer Nation gemein wäre, die religiöse Geschichte, hat für die dichterische Bearbeitung, wodurch die Nation veredelt werden könnte, außer anderen Unbequemlichkeiten in Ansehung des ungebildeteren Teils [den Nachteil], daß dieser zu steif an dem Stoffe als an einer Glaubenssache hängt, in Ansehung des gebildeteren Teils [den Nachteil], daß auch bei einer schöneren Behandlung von seiten des Dichters schon teils die Namen die Vorstellung von etwas Altfränkischem und Gotischem mit sich führen, teils wegen des Zwanges, mit dem sie von Jugend auf der Vernunft sind angekündigt worden, ein Gefühl von Unbehaglichkeit mit sich bringen, das dem Genusse der Schönheit, der aus dem freien Spiele der Seelenkräfte hervorgeht, zuwider ist; wenn auch in einzelnen Köpfen die Phantasie sich in Freiheit gesetzt hat und dem Schönen und Großen allein nachstrebt, so sieht man es im ganzen ihren Idealen oder ihrer Empfänglichkeit für diese an, daß sie ihr von dem Katechismus zugeschnitten worden sind.
Als sich der Geschmack an alter Literatur und damit der Geschmack an schönen Künsten ausbreitete, so nahm der gebildetere Teil der Nation die Mythologie der Griechen in ihre Phantasie
