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|188| durch das System der Kirche verkannt worden ist, so kann das System der Kirche nichts anderes als ein System der Verachtung der Menschen sein. Die heilsame Trennung des Gebiets der Kräfte des menschlichen Geistes, die Kant für die Wissenschaft gemacht hat, diese Trennung ist von der Gesetzgebung der Kirche nicht gemacht worden, und Jahrhunderte werden noch vergehen, bis der Geist der Europäer im tätigen Leben, in den Gesetzgebungen jenen Unterschied wird erkennen und machen lernen, worauf das richtige Gefühl der Griechen sie von selbst gebracht hatte. Die moralischen Gebote der Vernunft werden nämlich in der christlichen Kirche sowie in jeder, deren Prinzip reine Moral ist, gerade wie Regeln des Verstandes behandelt11) und aufgestellt; jene sind subjektiv, diese objektiv; von der christlichen Kirche hingegen wird das Subjektive der Vernunft wie etwas Objektives als Regel aufgestellt.
11) Werkausgabe: Nohl schlägt diese Lesart vor: „Die moralischen Gebote der Vernunft werden nämlich in der Religion der Griechen … nicht wie Regeln des Verstandes behandelt …“
Die Vernunft stellt moralische, notwendige und allgemeingültige Gesetze auf; insofern werden diese von Kant, obzwar in anderem Sinne als die Regeln des Verstands, objektiv genannt; diese Gesetze nun subjektiv oder zu Maximen zu machen, Triebfedern für sie zu finden, dies ist die Aufgabe, wo die Versuche unendlich divergieren. Jene Fähigkeit der Vernunft haben die Theologen selten abgeleugnet, und heutzutage gesteht man ihr dies so ziemlich allgemein zu -oder wenn sie es getan haben, so haben sie darunter vorzüglich das zweite verstanden, nämlich daß die Vernunft nicht imstande sei, ihrem Gesetze solche Triebfedern mitzugeben, die für sich dem Gesetze Achtung zu verschaffen und den Willen, demselben gemäß zu handeln, geneigt zu machen fähig wären; die christliche Religion gibt uns objektive Triebfedern, Triebfedern, die nicht das Gesetz selbst sind.
