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|114| und gar die Richtung des Kirchenglaubens genommen hat, ganz damit amalgamiert ist, wenn dieser selbst in den Gemütern alleinherrschend ist, wenn alle Tugend nur darauf gegründet und eine falsche daraus entsprungen ist, so kann ihm nur durch die Entgegensetzung einer gleichen Autorität, einer göttlichen, beigekommen werden; daher Jesus für seine Lehren nicht deswegen Aufmerksamkeit verlangt, weil sie den moralischen Bedürfnissen unseres Geistes angemessen, sondern weil sie Gottes Willen seien; diese Übereinstimmung dessen, was er sagte, mit dem Willen Gottes, daß wer an ihn glaube, an den Vater glaube, daß er nichts lehre, als was ihn der Vater gelehrt habe (welches bei Johannes besonders die herrschende und immer wiederkehrende Vorstellung ist), – ohne diese Autorität für sich zu haben, konnte Jesus durch eine noch so beredte Vorstellung des Werts der Tugend an sich nicht auf seine Zeitgenossen wirken; er mochte nun sich einer Verbindung mit Gott selbst bewußt sein oder auch nur das uns in die Brust gegrabene Gesetz für eine unmittelbare Offenbarung der Gottheit gehalten haben, daß es ein Funken der Gottheit sei, und durch die Gewißheit, daß er nur lehre, was dieses Gesetz gebiete, sich der Übereinstimmung der Lehre mit dem Willen Gottes bewußt gewesen sein. Wie weit dies gehen könne, daß die Menschen ihrer eigenen angestammten Kraft und Freiheit entsagen, daß sie sich so willig unter eine ewige Vormundschaft beugen, daß die Anhänglichkeit an die Ketten der Vernunft desto größer wird, je lästiger sie werden, – davon sieht jeder alle Tage Beispiele vor sich. Neben der Empfehlung einer Tugendreligion mußte Jesus auch notwendig immer sich, den Lehrer derselben, ins Spiel bringen – und Glauben an seine Person fordern, dessen seine Vernunftreligion nur bedurfte, um sich dem Positiven entgegenzusetzen.
