Die Positivität der christlichen Religion (1795/96)

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|177| anderen Lehren, die Abhängigkeit von anderen Gesetzen gänzlich verschmähen, – eine Absonderung, die wie zwei Wege nach verschiedenen Himmelsgegenden nie zusammentreffen, wo auf dem einen Wege[, dem] der häuslichen Angelegenheiten, der Wissenschaften, der schönen Künste, ein Mann mit dem tiefsinnigsten und gewandtesten Verstande, mit dem feinsten Scharfsinn, mit zarter Empfindung erscheint, den man nicht mehr erkennt, von allem diesem nichts mehr wahrnimmt, wenn man ihn auf dem kirchlichen Wege antrifft.

Von außen wird die Möglichkeit der Veränderung des Glaubens durch strenge Zensur, durch Bücherverbote usw. abgeschnitten, durch die Verhütung, daß nicht in Gesprächen, auf Kathedern oder Kanzeln fremde Meinungen debitiert werden – denn die Kirche hat die Pflicht, das Glaubenseigentum eines jeden zu schützen, und dieses Eigentum wird dadurch verletzt, wenn eigene Zweifel, Gründe anderer dem Gläubigen dies entreißen könnten. Jede Kirche gibt ihren Kirchenglauben für non plus ultra aller Wahrheit und geht von diesem Prinzip aus – einen Glauben, den man also wie Geld ins Gehirn einstreichen könnte, und so wird er denn auch wirklich behandelt -, und nach der Behauptung jeder Kirche ist auf der Welt nichts so leicht, als die Wahrheit zu finden, man braucht nur einen ihrer Katechismen in sein Gedächtnis aufzunehmen; und bei ihr gilt es nicht,

Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet,
Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born5),

5) Werkausgabe: Schiller, „Das Ideal und das Leben“, gedruckt im Septemberheft der Horen 1795

sie hält öffentlichen Markt damit, der Fluß der kirchlichen Wahrheit rauscht lärmend durch alle Gassen, jeder kann von seinem Wasser sein Gehirn anfüllen.

6)Die Ausspender desselben sind die Lehrer der Kirche, die insofern auch ihre Beamten sind, sie nennen sich Diener des

6) Werkausgabe: [am Rand:] d. 2. Nov. [1795]

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