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|200| auf, und die Empfänglichkeit desselben für diese Vorstellungen beweist ihre größere Selbständigkeit und Unabhängigkeit vom Verstande, der sich sonst nie enthalten konnte, sie in ihrem freien Genuß zu stören. Andere versuchten es, den Deutschen eine eigentümliche Phantasie, die auf ihrem Grund und Boden gewachsen war, wieder zu geben, und riefen ihnen zu: ist denn Achaia der Tuiskonen Vaterland? Allein diese Phantasie ist nicht die Phantasie der jetzigen Deutschen; die verlorene Phantasie einer Nation wiederherzustellen, war von jeher vergeblich und konnte im ganzen noch weniger Glück machen als Julians Versuch, der Mythologie seiner Voreltern in den Menschen seiner Zeit ihre vorige Stärke und Allgemeinheit zu geben, ein Versuch, dessen Gelingen viel mehr Wahrscheinliches für sich hatte, da in den Gemütern noch viel davon übrig war, da dem Kaiser noch viele Mittel zu Gebote standen, seiner Mythologie den Vorzug zu geben. Jene altdeutsche Phantasie findet nichts in unserem Zeitalter, an das sie sich anschmiegen, anknüpfen könnte, sie steht in dem ganzen Kreise unserer Vorstellungen, Meinungen und Glaubens so abgerissen da, ist uns so fremd als die ossianische oder indianische, und was jener Dichter in Ansehung der griechischen Mythologie seinem Volke zuruft, könnte man ihm und seinem Volke in Ansehung der jüdischen mit eben dem Rechte zurufen und fragen: Ist denn Judäa der Tuiskonen Vaterland?
Sosehr die Phantasie die Freiheit liebt, sosehr gehört dazu, daß die Religionsphantasie eines Volkes fest sei, daß sie ihr System weniger an bestimmte Zeiten als an gewisse bekannte Orte knüpfe; diese Kenntnis des Orts ist dem Volke gewöhnlich ein Beweis mehr oder der sicherste, daß die Geschichte, die man davon erzählt, wahr sei. Daher die lebendige Gegenwart, mit welcher die Mythologie der Griechen in ihren Gemütern war; daher die Stärke des Glaubens der Katholiken an ihre Heiligen und Wundertäter; den Katholiken sind diejenigen Wunder viel gegenwärtiger und wichtiger, die in ihrem Lande verrichtet wurden, als die oft viel größeren, die in anderen Ländern oder die selbst von Christus verrichtet wurden. Jedes Land hat gewöhnlich seinen Schutzpatron, der in diesem Lande besonders Wunder getan hat und dort vorzüglich verehrt wird. Außerdem glaubt sich jedes Volk durch die besondere Aufmerksamkeit, die ein solcher Schutzgott ihm geweiht habe, vorzüglich ausgezeichnet und geehrt, und dieser Vorzug vor anderen Völkern vermehrt seine Anhänglichkeit daran, wie dies der Fall bei den Juden ist. Hierdurch wird
