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Die Griechen hatten ihre religiösen Sagen fast nur dazu, um Götter zu haben, denen sie ihre Dankbarkeit weihen, denen sie Altäre bauen und Opfer darbringen könnten; uns hingegen soll die heilige Geschichte mancherlei nutzen, wir sollen mancherlei in moralischer Rücksicht daraus lernen und ersehen. Aber eine gesunde moralische Urteilskraft, die mit diesem Vorsatz darangeht, ist gar oft genötigt, das Moralische in die meisten Geschichten hineinzulegen, ehe sie etwas Moralisches finden kann, und mit gar vielen wird sie überhaupt in Verlegenheit kommen, sie mit ihren Grundsätzen zu vereinen. Der Hauptnutzen und die Hauptwirkung, die ein frommer Mann dabei in sich verspüren kann, ist die Erbauung, d. h. die Erweckung dunkler heiliger Empfindungen (weil er jetzt mit Vorstellungen von Gott umgeht), deren Verworrenheit auf Gewinn an moralischer Einsicht Verzicht tut, aber gewöhnlich eine Verstärkung anderer sogenannter heiliger Leidenschaften, als eines mißverstandenen heiligen Eifers für Gottes Ehre, frommen Stolzes und Eigendünkels und einer gottergebenen Schlafsucht, mit zurückbringt.
Unterschied zwischen griechischer Phantasie- und christlicher positiver Religion17)
17) Werkausgabe: im Ms als Überschrift
Es ist eine der angenehmsten Empfindungen der Christen, ihr Glück und ihre Wissenschaft mit dem Unglück und der Finsternis der Heiden in Vergleichung zu setzen, und einer der Gemeinplätze, wohin die geistlichen Hirten ihre Schafe auf die Weide der Selbstzufriedenheit und der stolzen Demut am liebsten führen, ihnen dies Glück recht lebhaft vor die Augen zu stellen, wobei dann die blinden Heiden gewöhnlich sehr übel wegkommen. Besonders werden sie wegen der Trostlosigkeit ihrer Religion, die ihnen keine Vergebung der Sünden verheißt, besonders sie ohne den Glauben an eine Vorsehung läßt, welche ihre Schicksale nach weisen und wohltätigen Zwecken leite, [bedauert]. Wir können aber bald gewahr werden, daß wir unser Mitleiden sparen dürfen,
